Musikmesse "MY MUSIC" erstmals in Dresden

Kongressteil und  Events inklusive

 MY MUSIC Dresden - Logo 

Nach drei Ausstellungstagen endete vergangenen Sonntag die dritte Musikmesse MY MUSIC und zugleich die erste, die in Dresden stattfand. Auf der Jungfernveranstaltung der MY MUSIC in Friedrichshafen, Bodensee, im Jahr 2007 war der DTKV mit eigenem Stand vertreten und hatte dort mit großem Erfolg sein damals neues Internet-Portal http://www.musiklehrer-suche.de/ präsentiert. Nachdem die Messe-Friedrichshafen von der TMS-Messen-Kongresse-Ausstellungen GmbH übernommen worden ist, soll die MY MUSIC nun jährlich wechselnd in Dresden und Friedrichshafen stattfinden. Dem Konzept der MY MUSIC -Erfinder vom Bodensee treu bleibend, setzt auch TMS auf eine Kombination aus Messe, Kongress und Event. So fanden sich vom 30. Oktober bis 01. November 2009 (Freitag bis Sonntag) mehr als 120 Aussteller auf 8.000 qm Ausstellungsfläche ein, flankiert von 38 Workshops, Seminaren, Vorträgen sowie reichhaltigem Bühnenprogramm.  

Der DTKV gehörte 2009 zwar nicht zu den Ausstellern, jedoch war der Präsident des DTKV-Landesverbandes Brandenburg, Anno Blissenbach, vor Ort: einerseits um zu sondieren, ob eine zukünftige Teilnahme in Dresden sinnvoll erscheint, andererseits um die Tonkünstler-Fahne beim Symposium "Musik in Schule und Verein, Chancen - Risiken - Perspektiven" hochzuhalten.

 

 

Bei diesem von der "Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V." - in dem mehr als 11.000 Musikvereine mit über eine Million Mitgliedern zusammengeschlossen sind - veranstalteten Symposium wurden im nahezu ausverkauften Erlweinsaal vier hoch qualifizierte Fachvorträge namhafter Referenten gehalten, denen sich eine substantiierte, teilweise kontroverse Debatte anschloss. So legte z.B. Ernst-Willi Schulte, Landesmusikdirektor des Volksmusikerbundes Nordrhein-Westfalen beeindruckend dar, wie in einer 80.000 Einwohner-Stadt ohne kommunale Musikschule seitens des Musikvereins ein tragfähiges System von Instrumental-Unterricht für Kinder und Jugendliche aufgebaut worden sei. In Kooperation mit allgemein bildender Schule generiere dies sowohl die regelmäßige Einrichtung von Klassenorchestern aller Stufen, als auch den Nachwuchs für das große Blasorchester des Musikvereins. Die Kinder und Jugendlichen würden zum Spiel ihrer Instrumente im Wesentlichen von Aktiven des Musikvereins angeleitet, so Schulte, welche diesen Unterricht meist in der Freizeit neben ihrem jeweiligen Beruf erteilen. Als Vertreter eines Berufsverbandes u.a. von Musiklehrern bezog der Präsident des DTKV-Brandenburg die Position, dass solches Engagement eines Musikvereins überall dort von hohem Wert sei, wo sich keine professionellen musikpädagogischen Einrichtungen befinden. Jedoch sei es wünschens- und erstrebenswert, so Blissenbach, dass Kinder und Jugendliche ihren Instrumentalunterricht grundsätzlich seitens hierfür fachlich und didaktisch ausgebildeter Musikpädagogen erhalten. Prof. Dr. Maria SpychingerProfessorin für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, vertrat hingegen die Auffassung, in modernen Bildungslandschaften mögen alle Formen musikpraktischer Kompetenz bei Kooperationen einbezogen werden. Es ist wohl davon auszugehen, dass zu dieser Frage die Polyphonie der Meinungen Bestand haben wird - gerade im JeKI-Zeitalter.

Nach offiziellen Verlautbarungen des Veranstalters soll die Messe ein voller Erfolg gewesen sein. So zitiert die Presse-Mitteilung der TMS vom 03. November nur Stimmen zufriedener Aussteller. Jedoch ergab das persönliche Gespräch mit zahlreichen Ausstellern sowie der Blick auf die recht überschaubare Anzahl von Besuchern ein anderes Bild. Da es sich - im Gegensatz zum Flakschiff Frankfurter Musikmesse - um eine Verkaufsmesse für Endverbraucher handelt und nicht um eine Ordermesse für den Fachhandel, zeigte sich reger Publikumsverkehr lediglich bei den Ständen regionaler Einzelhändler, während an den Ständen nationaler oder internationaler Instrumenten-Hersteller oder Verlage großenteils gähnende Leere herrschte. So wurde ausstellerseitig kritisiert, der Messeveranstalter habe sich zu wenig um Promotion gekümmert, potentielle Besuchergruppen aus dem gesamten Bundesgebiet hätten gezielter akquiriert werden müssen. Auch lokale Plakatwerbung in Dresden selbst wurde vermisst.


Jedoch ergab das Gespräch mit der MY MUSIC Projektleiterin, Regine de la Fontaine, ein differenzierteres Bild. Zunächst sei zu berücksichtigen, dass sich die Veranstaltung für die TMS GmbH - die ja am jeweiligen Standort lediglich Mieter der Messehallen sei - rechnen müsse. Die Miethöhe werde hier von der Stadt unter betriebswirtschaftlichen nicht unter tourismuspolitischen Gesichtspunkten festgelegt. Die My MUSIC Dresden sei - wie jede Erstveranstaltung - für Veranstalter wie Aussteller gleichermaßen mit hohen Risiken behaftet. Ein Problem bei der Hallenbelegung sei, dass viele potentielle Aussteller sich abwartend verhielten: viele hätten 2009 noch nicht gebucht, weil sie zunächst das Echo der Erstveranstaltung abwarten wollten. Dichte und Attraktivität der Aussteller bedinge jedoch Publikumsinteresse sowie Besucherzahl und umgekehrt. Enttäuscht sei sie von der eigentlich erwarteten Magnetwirkung einiger Verbände und deren Bühnen-Events. Diese hätten - wohl auch, um gute Konditionen zu erhalten - mehr versprochen, als eingehalten. In der Tat war augenscheinlich, dass es den Verbänden weniger als bei der Erstveranstaltung in Friedrichshafen gelungen ist, ihre Mitglieder in die Messehallen zu lotsen. Durch gezielte Events von Chortreffen über Blaskapellen-Wettbewerbe bis zum Guinnessbuch-Rekord-Ensemble wäre vieles denkbar. Die Show "Sachsenrekord der Gitarristen" vom 2. Messetag ist wohl als Auftakt in diese Richtung zu verstehen.

Betrachtet man den Kongressteil der Messe, so lässt sich auch hier noch beträchtliches Steigerungspotential in Hinblick auf Besucherzahlen ausmachen: Es ist ja gut und schön, wenn Verbandsgremien Sitzungen abhalten, doch handelt es sich hierbei um eine jeweils geschlossene Veranstaltung mit lediglich kleiner Teilnehmerzahl. Zielführender im Sinne der Gesamtveranstaltung wäre, dass die tagenden Verbände zusätzlich öffentliche Veranstaltungen von gleichermaßen großem Publikums- wie medialen Interesse durchführen, von der hochkarätig besetzten kultur- oder bildungspolitischen Podiumsdiskussion mit Lifeübertragung in Rundfunk und Fernsehen bis zu Mitgliederversammlung oder Jahreskongress eines bundesweiten Großverbandes.

So war es wohl nicht nur die erfolgreiche DTKV-Teilnahme an der ersten MY MUSIC, dass Projektleiterin Regine de la Fontaine bekundete, auf den DTKV zugehen zu wollen: ist ihr doch bewusst, dass sowohl die D-A-CH Tagung als auch die DTKV- Länderkonferenz im Zeitfenster der MY MUSIC liegen.

Eine Gemeinsamkeit der MY MUSIC -Orte Friedrichshafen und Dresden ist die Drei-Länder-Eck-Situation. Unterschied ist jedoch, dass es sich am Bodensee um drei deutschsprachige Länder handelt und die beiden Nachbarländer eine höhere Kaufkraft als Deutschland aufweisen, während in der Elbmetropole die  Sprach- und mehr noch die Wohlstandsbarriere nicht unbedingt den ganz großen Besucheransturm aus Tschechien und Polen erwarten lässt. Immerhin hat der Veranstalter sich um "Barrierefreiheit" bemüht, da die - mit 8,00 EUR  (Kinder 3,00 EUR) ohnehin preisgünstigen - Messetickets auch mit Tschechischer Krone bezahlt werden konnten. 

Will man ein Fazit ziehen, so kann - ähnlich wie zu Friedrichshafen - gesagt werden: sympathische Messe, angenehme Betreuung durch den Veranstalter, wesentlich familierer als die Mega-Messe Frankfurt, Steigerungspotential für die Zukunft, interessant für Verbände, Bereicherung für die Branche.

 

Glück auf MY MUSIC!


Kontakt:
MY MUSIC
Regine de la Fontaine
Tel.: +49 (0) 351 87785-41
Fax: +49 (0) 351 87785-44
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http://www.mymusic-messe.de
http://www.tmsmessen.de

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