Zum DTKV Thementag mit Podiumsdiskussion

Frankfurt/Berlin - red. Am Vortag der DTKV Länderkonferenz (Bericht nmz 12/2019) fand am 8. November 2019 der Thementag des DTKV unter dem Thema „Möglichkeiten der Stärkung der außerschulischen Musikpädagogik“ statt. Gastgeber war der hessische DTKV-Landesverband unter dessen Vorsitzender Heike Michaelis, die die Veranstaltung in Frankfurt eröffnete.
Der erste Teil des Thementags wurde als Podiumsdiskussion gestaltet. Hier diskutierten die Vertreter von vier Verbänden unter der Moderation von Andreas Kolb, Chefredakteur der nmz: Volker Gerland, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Musikschulen (VdM), Mario Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der privaten Musikschulen (bdfm), Gabor Scheinpflug, Vorsitzender der ver.di Bundesfachgruppe Musik und Edmund Wächter, DTKV-Präsidiumsmitglied.

Der live-Mitschnitt der Podiumsdiskussion kann unter www.dtkv-hessen.de nachgehört werden.


Die bundesweit schwierige Situation der außerschulischen Musikpädagogik stand in Frankfurt nicht von ungefähr zu Diskussion: Hessen gehört bei musikpädagogischen Belangen bundesweit zu den Schlusslichtern, wie dies der VdM-Landesverband Hessen in seiner aktuellen „Kampagne 2019“ deutlich herausgearbeitet hat, ebenso wie bei der finanziellen Ausstattung der musikalischen Bildung.

Den Anfang machten der Austausch und die Positionierung der anwesenden Verbände, um anschließend gemeinsame Handlungsstrategien entwickeln zu können.
Zunächst wurden verschiedene Aspekte herausgearbeitet: Volker Gerland (VdM) erwähnte den drohenden Fachkräftemangel in den öffentlich geförderten Musikschulen durch die anstehende Pensionierungswelle, die unzureichende Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit musikpädagogischen Angeboten sowie die oft prekären Beschäftigungsverhältnisse von Musikschullehrkräften mangels ausreichender öffentlicher Bezuschussung. Mario Müller (bdfm) sprach verschiedene Aspekte der öffentlichen Bezuschussung an, die in der heutigen Situation nicht mehr zeitgemäß seien. Hier solle gemeinsam über neue Wege nachgedacht werden. Gabor Scheinpflug rückte das Thema Eigenverantwortung und insbesondere die Wertschätzung des eigenen Tuns durch die Musikpädagogen in den Mittelpunkt. Ergänzend dazu wünschte sich Edmund Wächter mehr gesellschaftliche Wertschätzung für die Musikpädagogik im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Haltung für qualitätvollen Unterricht und – entsprechend dieser hochkarätigen Ausbildung – für angemessene Honorierung der Lehrkräfte.

In der anschließenden offenen Diskussion mit den anwesenden Vorsitzenden der Landesverbände im DTKV und zahlreichen Mitgliedern des DTKV Hessen waren sich die Anwesenden einig, dass die öffentlichen Zuschüsse für die Musikpädagogik grundsätzlich ansteigen müssen und dass dazu eine öffentliche Bewusstseinsbildung anzustreben sei. Resümee der Diskussion: Die Positionen der einzelnen Verbände sind durchaus kompatibel und sollen zukünftig gemeinsame verbandsübergreifende Aktionen in Bund und Ländern angestrebt werden. Nur gemeinsam sind wir laut genug, um politische und gesellschaftliche Veränderungen für den Beruf der Musikpädagog*innen und Musiker*innen herbeizuführen.

Im zweiten Teil des Thementags wurden die so gewonnenen Erkenntnisse in vier Fragen gefasst und im Rahmen eines World Café gemeinsam beleuchtet.
Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:
Was braucht es für eine gemeinsame Kampagne?
Zunächst müssen sich die Musikverbände mit gemeinsamen Interessen zusammenfinden und ihre gemeinsamen Ziele herausarbeiten. In einer Imagekampagne mit dem Ziel der Steigerung der Wertschätzung von Musikunterricht in Politik und Gesellschaft spielen Faktoren wie höhere Wertschätzung der Kultur im Sinne der kulturellen Daseinsfürsorge, musikalische Bildung als Pflichtaufgabe und Kultur ins Grundgesetz eine Rolle. Die Zielgruppen sind die Politiker*innen als Entscheidungsträger auf allen Ebenen, die Ministerien, die Verbände und die Gesellschaft generell. Die Forderungen müssen untermauert sein mit statistisch belastbarem Zahlenmaterial, das ggf. erst durch Umfragen erarbeitet werden muss. Die Werkzeuge der Kampagne sollten ein Maßnahmenmix sein: Nutzung der Medien und Plattformen, Pressemitteilungen, Infoblätter, Nutzung bestehender Institutionen wie den „Tag der Musik“.

Wie machen wir Missstände gegenüber der Politik sichtbar?
Wer fühlt sich grundsätzlich für Musikschulen/ freie Musikpädagog*innen verantwortlich? Kultur fällt in die Kompetenz der Bundesländer, Förderung von Musikunterricht liegt als freiwillige Aufgabe bei den Städten/Kommunen. Dennoch muss durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und im Gespräch mit Politiker*innen auf allen Ebenen das Bewusstsein für die prekäre Situation der Musikpädagog*innen und Musiker*innen geweckt und die Verantwortlichkeit eingefordert werden.
Zwei Aspekte liegen beim derzeitigen Umgang mit Musikunterricht, schulisch und außerschulisch (schulergänzend) im Vordergrund: Die musikpädagogische Qualität ist gefährdet in der Breiten- und damit auch Spitzenförderung und die (freien) Musikpädagogen tendieren auf Grund der schlechten Bezahlung hin zu Sozialfällen und damit in die Altersarmut. Das Berufsbild ist damit unattraktiv und Musiklehrermangel steht in vielen Bundesländern jetzt schon auf der Tagesordnung.

Wie kann außerschulische Musikpädagogik ganztags (wieder) möglich werden?
Unabdingbar ist eine bessere Verzahnung von Ganztag und Musiklehrkräften. Für den Ganztag gibt es bereits verschiedene Modelle wie „Drehtür“ oder „Rollplan“. Diese müssen bedarfsorientiert weiterentwickelt werden. „Klassenmusizieren“ darf nicht dazu führen, dass qualifizierter Musikunterricht ersetzt wird. Der Einsatz von fachlich qualifizierten Musikpädagog*innen, im besten Falle in Festanstellungen, muss gewährleistet werden.

Was wäre eine adäquate Honorierung der qualifizierten Pädagog*innen? Gibt es neue Konzepte der Finanzierung? Ist TVöD 9 eine adäquate Bezahlung oder nicht? Wer sind potenzielle Finanzierer (Städte, Gemeinden, Städtetag)?
Zunächst bedarf es eines musikalischen Bildungsgesetzes, in dem auch die freiberufliche Musikpädagogik verankert ist. Die Musikschulgesetze der Länder, falls vorhanden, reichen hier nicht aus. Erst wenn ein gesetzlicher Rahmen geschaffen ist, kann adäquate Bezahlung gesetzeskonform eingefordert werden, da es ansonsten quasi kein Druckmittel gibt. In der Diskussion stand außerdem das Pro und Contra von Zertifikaten, die es erlauben, an staatlichen Förderungen auch als freie*r Musikpädagog*in teilzuhaben.

Text: Elisabeth Herzog-Schaffner, Britta Wetzler

BiU: Podiumsdiskussion beim Thementag (v.l.n.r.): Gabor Scheinpflug, Volker Gerland, Andreas Kolb, Mario Müller, Edmund Wächter
Foto: Elisabeth Herzog-Schaffner

 

 

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