Aktueller Tipp für unsere Mitglieder

Seit 2007 sieht das Einkommensteuergesetz nur noch dann einen Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug für Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer vor, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt.
Neueste Handlungsempfehlungen finden Sie hier:

Bei Musikern ist Mittelpunkt in der Regel die Bühne, bei Musiklehrern in den meisten Fällen die Musikschule. Damit wären die Aufwendungen nicht mehr abzugsfähig.

Zu prüfen ist:
1. Liegt überhaupt ein häusliches Arbeitszimmer vor?

a) Ist der Arbeitsraum nicht in die häusliche Sphäre eingebunden, liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor und die Aufwendungen sind voll abzugsfähig
Beispiel: der Steuerpflichtige wohnt in einem Mehrfamilienhaus und mietet zum Arbeiten z.B. einen Raum im Keller oder Dachgeschoß zusätzlich an. Die Anmietung einer unmittelbar angrenzenden oder unmittelbar gegenüberliegenden Zweitwohnung in einem Mehrfamilienhaus hingegen wird nicht anerkannt.

b) Ebenfalls nicht unter das Abzugsverbot fallen Aufwendungen für Räume wie: Betriebs-, Lager- oder Ausstellungsräume, selbst wenn sie an die Wohnung angrenzen.
Gemeint sind Räume, die ihrer Funktion und Ausstattung nach nicht dem Typ eines häuslichen Arbeitszimmers entsprechen.
Beispiel: Tonstudio, Lager, keine büromäßige Ausstattung (ohne Schreibtisch und PC); viel Publikumsverkehr und Beschäftigung von nichtfamilienangehörigem Personal sprechen ebenfalls für einen Betriebsraum

2. Es liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor. Die Räume werden entweder zu mehr als 50% betrieblich bzw. beruflich genutzt oder es ist kein anderer Arbeitsplatz vorhanden (Fälle bis 2006, die einen auf € 1.250 beschränkten Abzug zuließen)

In diesen Fällen wird derzeit von einigen Finanzgerichten die Verfassungsmäßigkeit des Abzugsverbotes angezweifelt. Das Finanzgericht Münster legt die Frage dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vor.

Der Steuerpflichtige erklärt die Aufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer wie bis 2006. Das Finanzamt wird die Einkommensteuer diesbezüglich vorläufig festsetzen, so dass kein Einspruch gegen die Nichtanerkennung einzulegen ist.
Sollten die Aufwendungen 2007 und 2008 nicht erklärt worden sein, können sie bis zum Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist gegen den Einkommensteuerbescheid nacherklärt werden. Eine Nacherklärung ist jederzeit noch möglich, wenn der Bescheid nach § 164 AO unter dem Vorbehalt der Nachprüfung erging (steht ausdrücklich im Bescheid).

 

Weitere Informationen zum Thema:

Nicht unter die Abzugsbeschränkung fallen Räumlichkeiten in der eigenen Wohnung oder Haus, die betrieblich oder beruflich genutzt werden, denen aber im wesentlichen nicht die Funktion eines typischen häuslichen Arbeitszimmers
zukommen. Solche betrieblich genutzten Räume sind regelmäßig:

-Tonstudio

-Musikstudios, im selben Gebäude wie die Wohnung, wenn diese Räume für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet und eingerichtet sind (vergleichbar einer Arzt-, Steuerberatungs- oder Anwaltspraxis)

-im Keller liegt ein Arbeitsraum, der - anders als z.B. ein Archiv - keine Teilfunktionen erfüllt, die typischerweise einem häuslichen Arbeitszimmer zukommen, z.B. Lager für Waren und Werbematerialien (Tz 4 BMF-Schreiben vom 3.4.2007, BStBl I S. 442). Die Lagerung von Instrumenten und Bühnenzubehör erfordert einen vergleichbaren Raum. Unter Bezugnahme auf das zitierte
BMF-Schreiben könnte gegebenenfalls die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen begründet werden.

Bei der Abgabe der Steuererklärungen für die Jahre 2007 und 2008 sollten die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer auch in anderen Fällen in voller Höhe angesetzt werden. Die Gesetzeslage erlaubt es der Steuerbehörde jedoch nicht, diese Kosten anzuerkennen. Dies wird im Steuerbescheid auch so stehen. Gegen den Steuerbescheid ist Einspruch wegen Nichtberücksichtigung der Kosten für das Arbeitszimmer einzulegen. Gleichzeitig sollte man beantragen, das Verfahren bis zu einer endgültigen Entscheidung in bereits anhängigen Verfahren vor Finanzgerichten nach § 363 AO auszusetzen.
Als anhängige Verfahren sind im Einspruch zu nennen:
-Finanzgericht Rheinland-Pfalz Az 3 K 1132/07
-Finanzgericht Thüringen Az 4 K 351/07
-Finanzgericht Berlin-Brandenburg Az 13 K 110/07
-Hessisches Finanzgericht Az 4 K 2732/07

Der Tonkünstlerverband (Bundesverband und Landesverband) setzt sich nachdrücklich für die Wiedereinführung der vollständigen Absetzbarkeit der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer ein, mit der Begründung, dass der Beruf ohne das Arbeitszimmer nicht ausgeübt werden kann.

Einen Musterbrieftext, mit dem Sie die Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises auffordern können, sich für die Wiedereinführung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmer einzusetzen, finden Sie am Ende des Artikels.

Die Aufwendungen für die Ausstattung des Arbeitszimmers (wie Tapeten, Teppiche, Vorhänge und Lampen) werden behandelt wie die anteiligen Wohnungskosten für das häusliche Arbeitszimmer und sind derzeit in der Regel nicht abzugsfähig. Aufwendungen für Arbeitsmittel (z.B. Regale, Schreibtisch, Computer, Schreibtischlampe) können (wie bisher auch)
weiterhin in der Steuererklärung angesetzt werden.


Weitere Informationen finden Sie in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums HIER.

Musterbrief an den/die Bundestagsabgeordnete/n Ihres Wahlkreises
Eine vollständige Liste der Abgeordneten des Deutschen Bundestages finden Sie HIER:


MUSTERTEXT
Sehr geehrte/r Herr/Frau............
Seit dem 1.1.2007 sind Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig, wenn dort der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit liegt. Bitte setzen Sie sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer auch in anderen Fällen wieder steuerrechtlich geltend gemacht werden können. Auch wenn das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, da meine berufliche Leistungserbringung auch zwangsläufig außerhalb dieses Arbeitszimmers stattfindet, ist es doch unerlässliche Voraussetzung zur Ausübung meines Berufs.
Als Musiker und Musiklehrer kann ich meinen Beruf nicht ausüben, wenn ich kein häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung habe. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, dass nicht die gesamten Aufwendungen für dieses Arbeitszimmer absetzbar sind.
Bitte informieren Sie mich über die von Ihnen aus Anlass dieses Schreibens eingeleiteten Schritte.
Mit freundlichen Grüßen

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