Steuerliche Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers

Seit 2007 sind Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nicht mehr absetzbar, es sei denn, das Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung.

Nicht unter die Abzugsbeschränkung fallen Räumlichkeiten in der eigenen
Wohnung oder Haus, die betrieblich oder beruflich genutzt werden, denen aber
im wesentlichen nicht die Funktion eines typischen häuslichen Arbeitszimmers
zukommen. Solche betrieblich genutzten Räume sind regelmäßig:

  • Tonstudio
  • Musikstudios, im selben Gebäude wie die Wohnung, wenn diese Räume für einen intensiven und dauerhaften Publikumsverkehr geöffnet und eingerichtet sind (vergleichbar einer Arzt-, Steuerberatungs- oder Anwaltspraxis)
  • im Keller liegt ein Arbeitsraum, der - anders als z.B. ein Archiv - keine Teilfunktionen erfüllt, die typischerweise einem häuslichen Arbeitszimmer zukommen, z.B. Lager für Waren und Werbematerialien (Tz 4 BMF-Schreiben vom 3.4.2007, BStBl I S. 442). Die Lagerung von Instrumenten und Bühnenzubehör erfordert einen vergleichbaren Raum. Unter Bezugnahme auf das zitierte BMF-Schreiben könnte gegebenenfalls die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen begründet werden.


Bei der Abgabe der Steuererklärungen für die Jahre 2007 und 2008 sollten die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer auch in anderen Fällen in voller Höhe angesetzt werden. Die Gesetzeslage erlaubt es der Steuerbehörde jedoch nicht, diese Kosten anzuerkennen. Dies wird im Steuerbescheid auch so stehen. Gegen den Steuerbescheid ist Einspruch wegen Nichtberücksichtigung der Kosten für das Arbeitszimmer einzulegen. Gleichzeitig sollte man beantragen, das Verfahren bis zu einer endgültigen Entscheidung in bereits anhängigen Verfahren vor Finanzgerichten nach § 363 AO auszusetzen.
Als anhängige Verfahren sind im Einspruch zu nennen:
-Finanzgericht Rheinland-Pfalz Az 3 K 1132/07
-Finanzgericht Thüringen Az 4 K 351/07
-Finanzgericht Berlin-Brandenburg Az 13 K 110/07
-Hessisches Finanzgericht  Az 4 K 2732/07
 
Der Deutsche Tonkünstlerverband setzt sich nachdrücklich für die Wiedereinführung der vollständigen Absetzbarkeit der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer ein, mit der Begründung, dass der Beruf ohne das Arbeitszimmer nicht ausgeübt werden kann. 

Einen Musterbrieftext, mit dem Sie die Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises auffordern können, sich für die Wiedereinführung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmer einzusetzen, finden Sie am Ende des Artikels.

Die Aufwendungen für die Ausstattung des Arbeitszimmers (wie Tapeten, Teppiche, Vorhänge und Lampen) werden behandelt wie die anteiligen Wohnungskosten für das häusliche Arbeitszimmer und sind derzeit in der Regel nicht abzugsfähig. Aufwendungen für Arbeitsmittel (z.B. Regale, Schreibtisch, Computer, Schreibtischlampe) können (wie bisher auch) weiterhin in der Steuererklärung angesetzt werden.

Weitere Informationen finden Sie

im Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 03.04.2007 HIER.

Darin heißt es:

"...Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 und § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG dürfen die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG dürfen sie nur dann steuerlich berücksichtigt werden, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet..."

 

Musterbrief an den/die Bundestagsabgeordnete/n Ihres Wahlkreises
Eine vollständige Liste der Abgeordneten des Deutschen Bundestages finden Sie HIER:


MUSTERTEXT
Sehr geehrte/r Herr/Frau............
Seit dem 1.1.2007 sind Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur noch dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig, wenn dort der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit liegt. Bitte setzen Sie sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer auch in anderen Fällen wieder steuerrechtlich geltend gemacht werden können. Auch wenn das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, da meine berufliche Leistungserbringung auch zwangsläufig außerhalb dieses Arbeitszimmers stattfindet, ist es doch unerlässliche Voraussetzung zur Ausübung meines Berufs.
Als Musiker und Musiklehrer kann ich meinen Beruf nicht ausüben, wenn ich kein häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung habe. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, dass nicht die gesamten Aufwendungen für dieses Arbeitszimmer absetzbar sind.
Bitte informieren Sie mich über die von Ihnen aus Anlass dieses Schreibens eingeleiteten Schritte.
Mit freundlichen Grüßen

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