Zur DTKV-Länderkonferenz in Wildbad Kreuth

Bei der diesjährigen Länderkonferenz des Deutschen Tonkünstlerverbandes e.V. (DTKV) in Wildbad Kreuth vom 14. bis 16. November trafen sich wie jedes Jahr Präsidium und die Vorsitzenden der Landesverbände zum Gespräch und gegenseitigen Austausch über bundesweit wichtige Themen. Eingebettet war die Konferenz wieder in ein Kooperationsseminar der Hanns-Seidel-Stiftung. Im Vordergrund standen diesmal der Bericht der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“ und die in der Entstehung befindliche KSK-Ausgleichsvereinigung.

Zunächst begrüßte DTKV-Schatzmeister Wilhelm Mixa die Anwesenden in dem namhaften, von der Hanns-Seidel-Stiftung getragenen Tagungsort. Anschließend ging Joachim Zacher, Beauftragter der Künstlersozialkasse (KSK) bei der Neubildung von Ausgleichsvereinigungen, mit seinen Ausführungen sofort medias in res.

<!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]-->

Stichwort Entbürokratisierung: die Ausgleichsvereinigung

Um die Künstlersozialkasse, über die freiberuflich tätige Künstler und Publizisten versichert sind, hatte es in der letzten Zeit viel Aufregung gegeben. Grund dafür waren die Auswirkungen der Gesetzesnovelle, die Mitte 2007 in Kraft getreten war: Unternehmen, die gegen Honorar künstlerische oder publizistische Leistungen in Anspruch nehmen, werden seither in wesentlich höherem Maß als bisher auf Künstlersozialabgabepflicht überprüft. Freiberufliche Künstler und Publizisten sind wie Angestellte für die Hälfte der vollen Sozialversicherungsbeiträge über die KSK kranken-, pflege- und rentenversichert. Die andere Hälfte der Pflichtversicherung finanziert sich aus der Künstlersozialabgabe (30%) und einem Zuschuss des Bundes (20%).

Sachlich und informativ: Joachim Zacher

Foto: Ines Stricker

 

Joachim Zacher referierte zunächst über die Geschichte der Künstlersozialkasse: Längst nicht alle abgabepflichtigen Unternehmen waren seit der Einrichtung der Künstlersozialkasse 1983 ihren Verpflichtungen nachgekommen. Spätestens seit 1988 müssen nicht mehr nur die klassischen Verwerter wie Theater, Rundfunkanstalten oder Verlage Abgabe zahlen, sondern alle Eigenwerbung treibenden Unternehmen, sofern sie honorarpflichtige Leistungen von Kreativen für Ihre Kataloge, Werbespots oder Veranstaltungen in Anspruch nehmen. Doch die Zahl der Abgabe Leistenden stieg nicht parallel zu der immer größer werdenden Zahl freiberuflicher Künstler und Publizisten. Zu Beginn der 1980er Jahre hatte man noch mit 10.000 Freiberuflichen gerechnet; mittlerweile ist deren Anzahl auf 160.000 gestiegen.

Die personell schwach besetzte Künstlersozialkasse, großenteils schon mit der Betreuung der Versicherten ausgelastet, holte 2007 für die Prüfungen der abgabepflichtigen Unternehmen also die viel größer dimensionierte Deutsche Rentenversicherung (DRV) ins Boot. Die Einnahmen durch die Künstlersozialabgabe stiegen seither erheblich, der Abgabesatz für die einzelnen Unternehmen konnte reduziert werden. Dennoch hat es seitdem immer wieder Proteste von Seiten der Unternehmen und des Industrie- und Handelskammertages, aber auch der Politik gegeben (vgl. NMZ November 2008). Als Argument wurde der hohe bürokratische Aufwand genannt, vor allem aber die finanzielle Belastung kleinerer und mittlerer Unternehmen, die – häufig unvermutet – rückwirkend Abgabe für die letzten fünf Jahre leisten müssen.

 

 

Interessant für Pädagogen und Veranstalter

Unter den Abgabepflichtigen befinden sich auch viele freie Musikschulen. Deren Lehrkräfte und häufig auch Betreiber sind selbst freiberufliche Musiker und damit KSK-Versicherte. Doch da sie als Unternehmen an die Öffentlichkeit treten und für sich werben, fallen sie, wenn sie nicht als GbR organisiert sind, ebenfalls unter die Künstlersozialabgabepflicht. Die als abgabepflichtig Erkannten müssen sämtliche mit den Honorarzahlungen zusammenhängenden Unterlagen bereitstellen. Aber auch die DTKV-Landesverbände zahlen Abgabe, da sie als Veranstalter auftreten. Der DTKV bereitet für Abgabepflichtige daher seit einiger Zeit die Bildung einer Ausgleichsvereinigung vor, die ihre Mitglieder gerade in Sachen Bürokratie erheblich entlasten könnte. Zum Zeitpunkt der Länderkonferenz hatten sich bereits dreizehn der sechzehn Landesverbände für einen Eintritt in die DTKV-Ausgleichsvereinigung entschieden. Der DTKV befindet sich damit in guter Gesellschaft: Bis Mitte 2007 gab es gerade einmal fünfzehn KSK-Ausgleichsvereinigungen, seither haben sich 45 neue gebildet!


In Wildbad Kreuth: die Leiterin der Länderkonferenz Almut Auerswald, KSK-Referent Joachim Zacher und DTKV-Schatzmeister Wilhelm Mixa (v.l.n.r.) vor den Vertretern der Länder

Foto: Ines Stricker

 

Der Eintritt in eine Ausgleichsvereinigung Musik ist nicht den Mitgliedern des DTKV vorbehalten, und sie wäre für alle Abgabepflichtigen in diesem Bereich sinnvoll, vor allem privat geführte Unterrichtszentren und Veranstalter. Zunächst werden in Stichproben je nach Anteil der abgabepflichtigen Honorarzahlungen am Umsatz verschiedene Beitragskategorien eingerichtet. Mit dem Eintritt in die Ausgleichsvereinigung fallen keine Einzelprüfungen durch die Rentenversicherung und neben der Abgabepauschale keine weiteren Zahlungen mehr an. Das einzelne Unternehmen muss auch keine Aufzeichnungen oder Belege mehr aufbewahren. Vor allem aber herrscht in Sachen Künstlersozialabgabe dann Rechtssicherheit.

<!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]-->

Joachim Zacher stellte das komplexe Thema in Wildbad Kreuth sowohl in seinem Vortrag als auch während der von Almut Auerswald geleiteten DTKV-Länderkonferenz höchst anschaulich und übersichtlich dar, beantwortete die anfallenden Fragen detailliert und bot sich allen Interessierten auch künftig als Gesprächspartner an.

 

 

Kulturförderung als Staatsauftrag

Ein weiterer wichtiger Vortrag drehte sich um den Bericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“, der im Dezember 2007 erschienen ist und mit Berichten, Problemerläuterungen und Handlungsempfehlungen die umfassendste Untersuchung zum Kulturleben in Deutschland seit 30 Jahren darstellt. Schon jetzt wirkt sich der Bericht positiv aus, etwa als Argument für den Erhalt der Künstlersozialkasse, deren Existenz in der Vergangenheit mehrmals in Frage gestellt worden war (s.o.).

Christian Höppner sprach über das Kulturleben in Deutschland

Foto: Ines Stricker

 

Als hochrangiger Gast war Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates (DMR), aus Berlin angereist. Stichpunktartig griff der Generalsekretär Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission heraus und erläuterte sie im Gespräch mit den Vertretern der DTKV-Landesverbände. Im Mittelpunkt standen dabei die wirtschaftliche Situation der Musiker, der so genannte Bologna-Prozess an den Hochschulen, der zunehmende Bedarf von Musikstudierenden an Ausbildung im Bereich Selbstmanagement und die musikalische Ausbildung an Schulen, Musikschulen und in Kindergärten. Das Staatsziel Kultur, so Christian Höppner, gehöre ins Grundgesetz. Allerdings, darin waren sich die Ländervertreter einig, ergibt sich eine flächendeckende Förderung des Musiklebens vor allem in der intensiven Zusammenarbeit mit den Kommunen, die den größten Beitrag zur Kulturförderung vor Ort leisten. Das gesellschaftliche Bewusstsein, resümierte Höppner, sei dabei entscheidend. Zwar erkannte er die Bedeutung von Eliteschulen bei der Förderung Hochbegabten an, monierte aber, dass die Musikförderung in der Breite im Abnehmen begriffen sei.

Und da sich die berufliche Zukunft gerade von Musikstudierenden immer stärker in einem freiberuflichen Umfeld abspielt und die künftige Karriere sich der Tendenz nach patchworkartig aus mehreren Berufsfeldern zusammensetzt, bot der DTKV noch einen weiteren Vortrag an: Fundierte Hintergrundinformationen und viel Wissenswertes in Sachen Existenzgründung – und damit auch Selbstmanagement – vermittelte Prof. Dr. Andreas Roser von der Privaten Anton-Bruckner-Musikuniversität in Linz gemeinsam mit Hans-Jürgen Werner, Rechtsanwalt, Mediator und Berater des DTKV in Rechtsfragen.

Zu den zahlreichen Tagesordnungspunkten im Rahmen der diesjährigen Länderkonferenz gehörte auch die Mitgliederversammlung des gemeinnützigen Fördervereins "Freunde der Tonkunst und Musikerziehung e. V." (FTM). Dessen langjähriger Vorsitzender Dr. Lothar Stöckbauer stellte sein Amt zur Verfügung. Sein Nachfolger wird Dr. Marcus Kremer aus dem Vorstand der Mannheimer Versicherung.

Ehrenvoll verabschiedet: Dr. Lothar Stöckbauer (li.) mit DTKV-Präsident Prof. Rolf Hempel

Foto: Ines Stricker

 

 

 

Künftig mehr Öffentlichkeit

Mit der Entwicklung des Bologna-Prozesses sowie den Erfolgen und Fehlschlägen des Bachelor- und Mastersystems wird sich die nächste, diesmal vom DTKV veranstaltete D-A-CH-Tagung 2009 in Wildbad Kreuth offen und kritisch auseinandersetzen. Zu dieser Dreiländerveranstaltung, die der Landesverband Bayern organisiert, luden Präsident Prof. Rolf Hempel und der 1. Vizepräsident Dr. Dirk Hewig herzlich ein, insbesondere da die D-A-CH-Tagung 2008 zum Thema „Musik und Gehirn“ in Zürich große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.

Des Weiteren wurde eine Neustrukturierung des DTKV-Bundesfachausschusses Freie und Private Musikschulen festgelegt, dessen ehemaliger Sprecher Andreas Winter mit seinem Nachfolger Thomas Ungerer angereist war. Gerade für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen, meinte Andreas Winter, der das Feuerbacher Musikzentrum leitet, sei das Thema KSK-Ausgleichsvereinigung von zentraler Bedeutung. In Zukunft soll sich der Ausschuss, unter Leitung des 2. DTKV-Vizepräsidenten Ekkehard Hessenbruch und beraten von den Ländern, verstärkt um die bundesweite Vernetzung und Zusammenarbeit Freier Musikschulen und freiberufliche Musikpädagogen bemühen.

Andrea Fink und Eckhart Fischer, die Geschäftsführer der Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg, stellten mit der neu gestalteten und strukturierten Homepage des DTKV-Bundesverbandes ihr Arbeitsergebnis vor, das in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas A. Troge, dem Stellvertretenden Vorsitzenden des TKV Baden-Württemberg entstanden war. Landesverbände, die eine eigene Homepage haben, werden mit der Bundesseite verlinkt. Die Landesverbände ohne eigene Homepage können gegen Gebühr eigene Inhalte auf der Bundesseite einstellen. Des Weiteren können sich entsprechend qualifizierte DTKV-Mitglieder nach Freigabe durch ihren jeweiligen Landesverband mit ihrem Unterrichtsangebot kostenlos in das dort eingerichtete Musiklehrerverzeichnis eintragen.

Musik durfte nicht fehlen: Dr. Adelheid Krause-Pichler (li.) mit ihrem Ensemble

Foto: Elisabeth Herzog

 

Das Kammerkonzert der Flötistin und DTKV-Schriftführerin Dr. Adelheid Krause-Pichler und zweier Mitmusikerinnen und der sich anschließende Empfang rundeten das arbeitsintensive und inhaltsreiche Programm der diesjährigen Länderkonferenz ab. Der Deutsche Tonkünstlerverband wird mit seinen künftigen Aktivitäten stärker als zuvor an die Öffentlichkeit treten.

Ines Stricker

<!--[if !supportEmptyParas]-->

 

Einen Artikel mit Einzelheiten zum Thema Ausgleichsvereinigung von Joachim Zacher (KSK) finden Sie auf dieser Homepage. Der 512 Seiten umfassende Schlussbericht der Enquetekommission Kultur kann unter www.bundestag.de/aktuell/archiv/2007/kultur_schlussbericht als pdf-Datei heruntergeladen werden.

 

Zum Seitenanfang
Die Website dtkv.net kann für Ihren Komfort Cookies verwenden. Sind Sie damit einverstanden?
Ich möchte weitere Informationen. Ja, ich bin damit 30 Tage einverstanden. Bitte keine Cookies verwenden.