Ansprache des DTKV-Präsidenten Dr. Dirk Hewig zum Festakt 08. Okt. 2011 in Ilmenau

"Als der junge J. W. Goethe 1776 erstmals Ilmenau besuchte, soll er ausgerufen haben „die Gegend ist herrlich !“ Nach Ilmenau kehrte er viele Male zurück, um das Silberbergwerk wieder in Betrieb zu nehmen, was – wie wir wissen - schließlich scheiterte. Auf dem nahe gelegenen Kickelhahn entstand eines seiner schönsten Gedichte „Über allen Gipfeln ist Ruh“. Nach Ilmenau führte ihn auch seine letzte Reise 1831, auf der er sein ministerielles und dichterisches Tun noch einmal reflektierte.

Ein so inniges Verhältnis zu Ilmenau wie Goethe hat der Deutsche Tonkünstlerverband, haben seine Vertreter, die an diesem Wochenende hierher gekommen sind, zwar nicht. Dass wir aber bereits nach 5 Jahren - 2006 haben wir hier das 10-jährige Bestehen des  Landesverbandes Thüringen gefeiert - dass wir also nach so kurzer Zeit wieder nach Ilmenau zurückkehren, zeigt, dass wir die Begeisterung des jungen Goethe und seinen Ausruf „Die Gegend ist herrlich“ teilen.

Es mag manchen aus den alten Bundesländern, die das 50-jährige oder gar das  60 - jährige Jubiläum ihres Landesverbandes begangen haben, verwunderlich erscheinen, dass in Thüringen bereits 10 und 15 Jahre des Bestehens gefeiert werden. Der Grund liegt in der Sondersituation in der ehemaligen DDR, wo sich erst 1990, nach der Wiedervereinigung freie und autonome Verbände bilden konnten. Hier ist deshalb auch ein 10- oder 15-jähriges Bestehen ein wichtiges Datum, das es zu feiern gilt. Zu feiern gilt es auch deshalb, weil der Thüringische Tonkünstlerverband, wenn auch an Mitgliedern nicht stark, in den 15 Jahren seit seiner Errichtung beachtliche Leistungen und Erfolge aufweisen kann. Der Verband engagiert sich mit Geschick für seine Komponisten, legt einen Schwerpunkt auf die musikalische Nachwuchsförderung, wirkt bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ auf Regional-, Landes- und Bundesebene mit.

Er organisiert Austauschkonzerte. Er ist präsent in zahlreichen Gremien im Lande, bei der Landesregierung, im Landesmusikrat und gestaltet auch so das musikalische Leben in Thüringen mit. Im Deutschen Tonkünstlerverband hat seine Vorsitzende Frau Almut Auerswald als langjährige Leiterin und derzeit stv. Vorsitzende der Länderkonferenz, ferner als zeitweiliges Mitglied im Präsidium wichtige Anregungen und Impulse gegeben und gibt sie auch derzeit.

Die Landesverbände in den neuen Bundesländern standen und stehen auch heute noch vor Problemen, die durch 13 Jahre Nationalsozialismus und anschließend 40 Jahre DDR bedingt sind, in denen für eigenständige, selbstverantwortlich arbeitende Verbände kein Raum war und die Tradition der Verbandsarbeit abriß. Die in freier Initiative  gegründeten Vereinigungen wie der Thüringische Landesverband mussten völlig neu aufgebaut werden. Hier bedarf es geeigneter Hilfestellungen seitens des Bundesverbandes. Frau Auerswald hat diese besonderen Anliegen, darüber hinaus den Wunsch nach einer weiteren Profilierung des Bundesverbandes und nach verstärkter Mitwirkung bei den bundespolitischen Fragen – wie im Übrigen auch Vertreter der anderen Verbände der neuen Bundesländer - engagiert vorgebracht. Der Bundesverband sieht diese  Probleme. Er antwortet darauf, indem er die Interessen seiner Mitglieder in verschiedenen Gremien des Deutschen Musikrats, des Kulturrats und in anderen Gremien und Institutionen einbringt, sich verstärkt in bundespolitische Fragen zu Worte meldet,  seine Vertretung in Berlin stärkt und seine Mitglieder über anstehende Probleme, Aktivitäten und Erfolge unterrichtet. Darüber hinaus bietet er gemeinsam mit einzelnen Landesverbänden eine umfangreiche Palette an Serviceleistungen an, die jeder Verband und jedes Mitglied in Anspruch nehmen kann. Die Öffentlichkeitsarbeit wird durch Presseerklärungen, eine neu gestaltete Website und insbesondere durch ein eigenes  neu gestaltetes „Buch“ in der nmz verbessert. Die schwierige rechtliche, finanzielle und soziale Situation der Lehrbeauftragten und die der freiberuflichen Musikpädagogen stehen derzeit im Mittelpunkt der Bemühungen des Bundesverbandes. Dem freien Musikpädagogen, der Sicherung seiner Existenz und der Verbesserung seiner Situation wird auch die D A CH –Tagung gewidmet sein, die der Deutsche Tonkünstlerverband im Jahre 2012 gemeinsam mit den musikpädagogischen Verbänden Österreichs und der Schweiz ausrichten wird.

Der Bundesverband gibt so den Landesverbänden und seinen Mitgliedern vielfache Hilfestellungen, er kann jedoch nicht die Aufgaben der Landesverbände, ihre Arbeit vor Ort, die Mitgliederwerbung, die Lobbyarbeit bei Landesministerien, bei Landespolitikern und bei regionalen Personen und Institutionen übernehmen. 

In der Wahrnehmung seiner originären Aufgaben ist der Landesverband Thüringen äußerst aktiv. Anerkennenswert erscheint mir in diesem Zusammenhang die Bündelung der Ressourcen durch Zusammenarbeit mit anderen Landesverbänden. Sie kommt an diesem Festwochenende in der Mitwirkung von Künstlern aus Hamburg und Nordrhein Westfalen, u.a. auch in dem von Herrn Jost Nickel aus NRW veranstalteten Workshop vorbildlich zum Ausdruck. Solches Zusammenwirken kleiner Verbände mit größeren Landesverbänden eröffnet neue Chancen und erscheint zukunftsweisend.

Der Deutsche Tonkünstlerverband gratuliert dem Landesverband Thüringen, seiner aktiven, kompetenten und in gleicher Weise liebenswerten Vorsitzenden Frau Auerswald, den engagierten Mitgliedern des Vorstands und allen Mitgliedern zum 15-jährigen Bestehen und  zu dem in diesen Jahren Erreichten. Wir wünschen für die Zukunft viel Kreativität und Freude, weiterhin eine erfolgreiche Arbeit und natürlich auch ein konstruktives Zusammenwirken mit dem Bundesverband.

Goethe ist, nachdem er die Pläne für die Wiederinbetriebnahme des Silberbergwerks infolge eines Wassereinbruchs endgültig aufgeben musste, 17 Jahre nicht mehr nach Ilmenau gekommen. Wir wollen nicht so lange warten. Wir freuen uns auf das nächste Jubiläum, vielleicht zur Volljährigkeit oder zum 20-jährigen Bestehen und werden dann mit Freuden wieder nach Ilmenau kommen. Denn, empfinden wir mit Goethe, „die Gegend ist herrlich“.

 

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