Politische Forderungen müssen statistisch untermauert werden können 

München - von Elisabeth Herzog - Der sehr umfangreiche und detaillierte Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ aus dem Jahr 2007 bestätigt, dass der berufliche und soziale Status quo von Musikpädagogen und Musikern, Sängern, Dirigenten etc. mit statistischem Material derzeit nur unzureichend darstellbar ist. Die zu Grunde gelegten Statistiken wie die Umsatzsteuerstatistik und die Beschäftigtenstatistik des Statistischen Bundesamtes, sowie die Statistik der Künstlersozialkasse (KSK) und die Einbeziehung einer eigenen Umfrage für Verbände und selbständig Tätige haben ergeben, dass das wenig vergleichbare Zahlenmaterial bei weitem nicht ausreicht, um die Situation der freiberuflichen Künstler, Musiker, Musikpädagogen etc. hinsichtlich ihrer Erwerbsarbeit, oft in Form von patchwork-Arbeitsverhältnissen, statistisch zu belegen. Um Erkenntnisse über die arbeitsrechtlichen und sozialen Bedingungen seiner Mitglieder zu gewinnen, wird der DTKV eine bundesweite umfassende Mitgliederumfrage vorzubereiten und durchzuführen.
Aus den Resultaten sollen gezielte politische Forderungen entwickelt und gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten werden.
Die wirtschaftliche Lage der im künstlerischen Bereich freiberuflich Tätigen wird sowohl durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als auch durch die entsprechenden Marktverhältnisse im Sinne des freien Wettbewerbs und die rechtlichen Rahmenbedingungen wie Urheber- und Leistungsschutzrechte, Steuergesetzgebung, Kreditpolitik, Instrumente der Existenzgründung usw. beeinflusst.
Die Gestaltung der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sind überwiegend Aufgaben des Bundes. Die unmittelbare Förderung der einzelnen Künstler obliegt grundsätzlich den Ländern und Kommunen.
Der Arbeitsalltag des Freiberuflers ist oft gekennzeichnet von geringem Einkommen, einer schwankenden Einkommenssituation, hohem wirtschaftlichen und sozialen Risiko mit mangelnder Absicherung.
Dabei zeichnen sich mehrere Faktoren als verantwortlich: überproportional viele Freiberufler drängen auf den Arbeitsmarkt bei immer weniger festen Stellen. Zugleich sind die öffentlichen Zuwendungen gesunken, bei nahezu gleich bleibender Nachfrage nach kulturellen Leistungen am Markt.
Die Tendenz zum Abbau der Festanstellungen in Musikschulen in öffentlicher Trägerschaft und deren Ersetzung durch Honorarkräfte, die Problematik der Lehrbeauftragten und Honorarkräfte an Musikhochschulen etc. belegen diese Entwicklung.
Die Zukunftsaussichten der Absolventen von Musikhochschulen gestalten sich als problematisch. Außerdem es gibt derzeit noch keine klare Antwort auf die Frage, ob Selbständigkeit bei Künstlern eher eine erzwungene Erwerbssituation z.B. durch die überproportional hohe Anzahl von Bewerbern auf eine Stelle oder das Ergebnis einer freien Entscheidung ist mit der Motivation, Inhalte und Arbeitszeit selbst zu bestimmen.
Der Weg in die Selbständigkeit ist durch häufig fehlende, da in den Hochschulen nicht angebotene, oder einfach nicht wahrgenommene Zusatzkompetenzen wie Selbstvermarktungs- und Selbstorganisationsfähigkeiten steinig.  Hemmnisse wie die Unkenntnis branchenüblicher Honorarsätze, Schwierigkeiten bei der Einschätzung der eigenen Leistung, nicht ausreichende Informationen über geeignete Versicherungen, fehlende Beratungsangebote, Unkenntnis über existierende Beratungsangebote, Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden und bei der Beschaffung von Existenzgründungsdarlehen u. a. belasten den Start in die Selbständigkeit.
Die Anforderungen an das Qualifikationsprofil haben sich geändert. Die hervorragende Ausbildung auf dem musikalischen und musikpädagogischen Sektor reicht nicht mehr aus. Die Möglichkeit zur Gestaltung von marktfähigen Erzeugnissen, die Miteinbeziehung neuer Arbeitsfelder erst erhöhen die Erwerbschancen. Dazu müssen die unternehmerischen Kompetenzen und die kaufmännischen Qualifikationen der Künstler gestärkt werden. Dem muss zum einen bereits in der Ausbildung Rechnung getragen werden, zum anderen sind Reformen notwendig. Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer spezifischen Absicherung sozialer Risiken bei Krankheit, im Alter und bei schlechter Auftragslage. 
Weiter auf dem Prüfstand bleiben bzw. fortentwickelt werden müssen die Rahmenbedingungen in Sachen Einkommen- und Umsatzsteuerrecht,  Urheber- und Leistungsschutzrechte, bei den Verwertungsgesellschaften, der Künstlersozialkasse und hinsichtlich der Beratung zur Existenzgründung und der Erleichterung des Zugangs zu Kleinkrediten mit längerer Laufzeit. 
In diesem gesamten Spektrum sieht der DTKV sein Betätigungsfeld als Berufsverband. Dahingehend zielend bereitet der DTKV eine Mitgliederumfrage vor. Welche Daten sind bereits vorhanden und können dem entsprechend genutzt werden. Welche Fragestellungen bringen konkrete Ergebnisse für eine weitere berufspolitische Tätigkeit, was sollen die Ziele sein. 
Angepeilt ist diese Mitgliederumfrage für das Jahr 2013, da parallel die bundesweite Mitgliederdatei beim Bundesverband aufgebaut werden muss, die Voraussetzung für eine derartige zeitgleiche bundesweite Mitgliederumfrage ist. Hier ist die Kooperation der Landes-, Regional- und Ortsverbände des DTKV zwingend erforderlich.
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